Hallux valgus (Großzehenschiefstand)

Was ist ein Großzehenschiefstand und wie kommt es dazu?

Es handelt sich hierbei um eine typische Achsabweichung der Großzehe im Grundgelenk nach außen, teilweise auch die Kleinzehen über-/unterkreuzend. Zeitgleich kommt es zu einem zunehmend schmerzhaften Hervortreten des ersten Mittelfußknochenkopfes, was zu einer Druckschwiele an der Fußinnenseite und Schmerzen in zu engem Schuhwerk führen kann.

Infolge der lebenslangen, erheblichen Last gepaart mit einer Bindegewebsschwäche und falschem Schuhwerk (hoher Absatz und/oder zu enge, knappes Schuhwerk) kommt es zu einer Absenkung/Abflachung des Mittelfußes, die zu einer Aufspreizung der Mittelfußknochen führt. Die Strecksehnen der Großzehe kommen aus dem Lot und verstärken die Achsabweichung der Großzehe.

 

Wie wird behandelt?

Zu Beginn kann oder sollte abgewartet und konservative Maßnahmen ausgeschöpft werden: Kräftigung der Fußmuskulatur, Barfußgehen, Optimierung der Schuhversorgung durch die Orthopädie-Technik (z.B. Zwischenzehenspreizer, Einlagenversorgung mit retrokapitaler Pelotte, Hallux-valgus-Nachtschienen). Die Halluxschiene kann unter Umständen eine Linderung bringen, den Großzehenschiefstand aber mitnichten aufhalten oder gar rückbilden.

Sind die konservativen Maßnahmen nicht hinreichend und der Leidensdruck entsprechend, kann mit einer Operation eine Linderung erzielt werden.

 

Wie verläuft die Operation?

  • Chevron/Scarf-Osteotomie
  • Lapidus

Das Kernprinzip der ersten beiden Verfahren ist die Korrektur der aus dem Lot geratenen Achse des Ersten Strahls durch eine Durchtrennung des ersten Mittelfußknochenschaftes Körperfern, Abtragung des schmerzhaften Überstandes und Befestigung des versetzten, durchtrennten Knochens mit Schrauben. Zeitgleich wird der Bandapparat des Großzehengrundgelenkes abgelöst, um die Achskorrektur zuzulassen. Im Fall der Chevron-Osteotomie ist die Knochendurchtrennung V-förmig und sehr kurzstreckig, nur den milden Fällen vorbehalten. Die Scarf-Osteotomie ist Z-förmig und langstreckiger, sie ermöglicht die Korrektur größerer Großzehenschiefstände.

Liegt eine Instabilität im so genannten Lisfancgelenk und/oder ein hochgradiger Großzehenschiefstand vor, muss eine Korrektur der Achse körpernah durch Versteifung dieses Gelenkes erfolgen. Das Ergebnis wird durch eine spezielle winkelstabile Platte gehalten.

Die Eingriffe werden in Teilbetäubung der Beine (Ischiadicusblock oder Spinalanästhesie) meist ambulant durchgeführt.

 

Die Nachbehandlung

Für die Dauer der ersten Wundheilung (bis zum Fadenzug nach zwei Wochen) sollte in allen Fällen das Bein hochgelagert und gekühlt, längeres Stehen vermieden werden. Nach anfänglicher Wickelung muss bis zum Ende des dritten Monats (bis zur Festigung des Bindegewebes) eine Orthese (Hallux-Schiene) getragen werden.

Für sechs Wochen muss ein Vorfußentlastungsschuh bis zur knöchernen Ausheilung der Osteotomien bzw. der Versteifung getragen werden.

Unterarmgehstützen können / Thrombosespritzen müssen für die Dauer der Entlastung des Vorfußes in diesem Spezialschuh zum Einsatz kommen.